Können Narzissten Liebeskummer haben? Diese Frage lässt dich nicht los. Sie kreist in deinem Kopf, seit du dich von ihm getrennt hast – oder seit er gegangen ist, als hättest du nie existiert.
Nachts scrollst du durch seine Profile, analysierst jedes Posting, jede Story – auf der Suche nach einem Zeichen, dass es ihm auch wehtut.
Alia kennt das. Nach drei Jahren voller Höhen und Tiefen, Drama und Versöhnungen, ständigem Hin und Her, hatte sie genug. Sie war es, die Kai verlassen hat. Aber statt Erleichterung kam die Frage: Leidet er jetzt wirklich? Oder war alles nur gespielt?
Zwei Wochen nach der Trennung postete er melancholische Songtexte. Schrieb ihr nachts verzweifelte Nachrichten: „Ohne dich bin ich verloren.“ Erzählte Freunden, sie habe ihm das Herz gebrochen. Aber wenn Alia darauf einging, wurde er innerhalb von Minuten kalt oder warf ihr vor, Drama zu machen.
Du fragst dich das Gleiche, oder? War seine Liebe echt? Tut es ihm weh? Oder inszeniert er nur Schmerz, um mich zurückzuholen – oder sein Ego zu retten?
Die Antwort ist komplizierter, als du denkst. Aber sie wird dir die Klarheit geben, die du brauchst, um endlich loszulassen.
Haben Narzissten überhaupt echte Gefühle?
Alia erinnert sich noch genau an den Moment, als sie Kai zum ersten Mal mit dieser Frage konfrontierte. Sie saßen im Auto, nach einem weiteren erschöpfenden Streit. „Fühlst du überhaupt irgendetwas für mich?“, hatte sie gefragt, die Stimme brüchig vor Verzweiflung. Kai hatte sie angeschaut – lang, intensiv – und dann mit fester Stimme gesagt: „Natürlich. Du bedeutest mir alles.“
Aber seine Augen blieben leer. Und seine Handlungen erzählten eine völlig andere Geschichte.
Das ist das Verwirrende an narzisstischen Persönlichkeitszügen: Narzissten haben durchaus Gefühle. Sie sind keine emotionslosen Roboter. Aber ihre Gefühlswelt funktioniert nach anderen Regeln als bei anderen Menschen.
Menschen mit stark ausgeprägten narzisstischen Zügen haben ein tief verwurzeltes, aber fragiles Selbstwertgefühl. Sie sind abhängig von äußerer Bestätigung, Bewunderung und Kontrolle, um ihr inneres Gleichgewicht zu halten. Gleichzeitig fehlt ihnen die Fähigkeit zur echten Empathie – sie können die Gefühle anderer zwar manchmal kognitiv verstehen, aber nicht emotional nachempfinden.
Aus psychologischer Sicht bedeutet das: Ein Narzisst kann wissen, dass du verletzt bist. Aber er kann nicht wirklich fühlen, was das für dich bedeutet. Er kann es nicht in seinem Körper, in seinem Herzen spüren, wie du es tust.
Wie Narzissten Gefühle wahrnehmen und regulieren
Kai hatte immer wieder gesagt, er liebe Alia. Aber wenn sie weinte, wurde er ungeduldig. Wenn sie seine Nähe brauchte, zog er sich zurück oder warf ihr Bedürftigkeit vor. Und wenn sie versuchte, über ihre Gefühle zu sprechen, reagierte er entweder genervt oder machte ihr Vorwürfe, zu sensibel zu sein.
Was Alia damals nicht wusste: Narzissten haben oft keinen direkten Zugang zu ihren eigenen Gefühlen. Sie spüren diffuse innere Zustände – Unruhe, Leere, Anspannung – können diese aber nicht benennen oder verarbeiten. Stattdessen projizieren sie diese Gefühle nach außen oder agieren sie in Form von Wut, Rückzug oder dramatischen Inszenierungen aus.
Als Psychologin erlebe ich das häufig: Narzissten kommen selten in meine Praxis, weil sie Hilfe suchen. Sie kommen, weil jemand anderes ein Problem mit ihnen hat. Und selbst dann beschreiben sie ihre innere Welt nicht in Gefühlen, sondern in Bewertungen: „Sie versteht mich nicht.“ „Alle sind gegen mich.“ „Ich bin im Recht.“
Gefühle wie Trauer, Scham oder Verletzlichkeit werden als Schwäche erlebt und deshalb verdrängt oder in Wut umgewandelt. Das ist keine bewusste Entscheidung – es ist ein automatischer Schutzmechanismus.
Unterschied zwischen Bindung, Bedürftigkeit und Liebe
Wenn Kai Alia schrieb – manchmal mitten in der Nacht, manchmal nach Wochen des Schweigens – dann klangen seine Nachrichten verzweifelt. „Ich brauche dich.“ „Ohne dich bin ich nichts.“ „Du bist die Einzige, die mich versteht.“
Alia fühlte sich gebraucht. Wichtig. Vielleicht sogar geliebt.
Aber was Kai fühlte, war keine Liebe. Es war Bedürftigkeit. Ein verzweifeltes Klammern an eine Quelle, die sein brüchiges Selbstbild stabilisierte.
Liebe bedeutet, den anderen als eigenständige Person zu sehen, mit eigenen Bedürfnissen, Grenzen und Gefühlen. Liebe bedeutet, sich für das Wohlergehen des anderen zu interessieren – auch wenn es dem eigenen Ego manchmal widerspricht.
Narzissten können keine Liebe in diesem Sinne empfinden. Sie können eine intensive Bindung aufbauen – aber diese Bindung ist funktional. Du bist wichtig, solange du eine Rolle erfüllst: Bewunderin, Stabilisatorin, Publikum.
Sobald du diese Rolle nicht mehr spielst – sobald du Grenzen setzt, Kritik äußerst oder deine eigenen Bedürfnisse einbringst – bricht diese „Liebe“ in sich zusammen. Und was übrig bleibt, ist Enttäuschung, Wut oder eiskalte Gleichgültigkeit.
Können Narzissten Liebeskummer haben?
Ja – aber anders, als du denkst.
Nach der Trennung verschwand Kai für ein paar Tage komplett. Dann kamen die Nachrichten: lange, emotionale Texte darüber, wie sehr er leide. Wie leer sein Leben ohne sie sei. Er postete melancholische Zitate, erzählte gemeinsamen Freunden, Alia habe ihm das Herz gebrochen.
Alia war verwirrt. „Hat er mich denn wirklich geliebt? Tut es ihm weh?“
Die Antwort ist komplex: Ja, Narzissten können etwas erleben, das sich wie Liebeskummer anfühlt. Aber was sie als Liebeskummer erleben, ist etwas völlig anderes als das, was du fühlst.
Was du als Liebeskummer erlebst, ist Trauer. Trauer um eine Beziehung, um gemeinsame Momente, um Hoffnungen und Träume. Du trauerst um den Menschen, den du geliebt hast – auch wenn dieser Mensch dir wehgetan hat.
Was ein Narzisst nach einer Trennung erlebt, ist keine Trauer um dich als Person. Es ist eine narzisstische Kränkung – ein tiefer Angriff auf sein Selbstbild.
Als Alia ging, war es nicht Kai, der die Kontrolle hatte. Sie hatte sich entzogen, ihm die Macht genommen, das Ende zu bestimmen. Das war für sein Ego unerträglich.
Wenn Kai Schmerz fühlte, dann nicht, weil er Alia vermisste. Sondern weil er die Kontrolle verloren hatte. Weil jemand ihn verlassen hatte, statt dass er das Drehbuch schrieb. Weil sein Ego erschüttert wurde.
Aus psychologischer Sicht ist das ein entscheidender Unterschied: Echte Trauer bedeutet, den Verlust eines geliebten Menschen zu betrauern. Narzisstische Kränkung bedeutet, den Verlust des eigenen Selbstbildes zu betrauern.
Was verliert ein Narzisst wirklich, wenn eine Beziehung endet?
Erstens: Narzisstische Zufuhr. Du warst seine Quelle für Bewunderung, Aufmerksamkeit und Bestätigung. Du hast sein Ego gefüttert – durch deine Liebe, deine Fürsorge, deine Geduld. Ohne dich muss er sich eine neue Quelle suchen. Und das kostet Energie.
Zweitens: Kontrolle. Narzissten brauchen das Gefühl, die Fäden in der Hand zu halten. Wenn du gehst – besonders wenn du die Entscheidung triffst – verliert er diese Kontrolle. Das ist für ihn unerträglich.
Drittens: Sein Selbstbild. Wenn du ihn verlässt, erzählst du damit eine Geschichte, die seinem inneren Narrativ widerspricht. Er ist nicht der perfekte Partner. Er ist nicht unwiderstehlich. Und das erschüttert sein fragiles Selbstwertgefühl zutiefst.
Was er nicht verliert? Die emotionale Verbindung zu dir als Mensch. Deine Eigenheiten, eure Witze, die kleinen Momente, die eine Beziehung ausmachen. Weil diese für ihn nie wirklich zählten.
Wie zeigt sich Liebeskummer bei Narzissten?
Die Art, wie Narzissten mit dem Liebeskummer umgehen, kann völlig unterschiedlich aussehen. Manche wirken eiskalt und unberührt, andere inszenieren theatralisches Leiden. Wieder andere schlagen um sich mit Wut und Rachegedanken. Und einige können nicht einmal benennen, was sie fühlen – sie spüren nur eine diffuse Leere.
Alia erlebte bei Kai mehrere dieser Facetten. Erst das eiskalte Schweigen. Dann die verzweifelten Nachrichten. Dann wieder aggressive Vorwürfe. Es war, als würde sie mit verschiedenen Menschen sprechen – und genau das machte es so verwirrend.
Die „coole Maske“ – eiserne Selbstbeherrschung und Ablenkung
Wenige Tage nach der Trennung sah Alia auf Instagram: Kai war auf einer Party. Umgeben von neuen Leuten, lachend, als wäre nichts gewesen. Er postete Storys von seinem Training, von Restaurantbesuchen, von Ausflügen mit Freunden.
„Wie kann er nur? War ich ihm so egal?“
Diese eiserne Selbstbeherrschung ist typisch für viele Narzissten, besonders für den grandiosen Typ. Sie können Gefühle nicht zulassen, weil sie als Schwäche erlebt werden. Stattdessen wird der Schmerz mit Ablenkung, oberflächlichen Kontakten und exzessiven Aktivitäten zugedeckt.
Aus psychologischer Sicht ist das ein Abwehrmechanismus. Der Narzisst spaltet das unangenehme Gefühl ab und projiziert ein Bild von Stärke und Unabhängigkeit nach außen. Er muss zeigen, dass es ihm gut geht – sonst würde sein Selbstbild zusammenbrechen.
Für dich als Ex-Partnerin ist das unglaublich schmerzhaft. Du interpretierst es als Gleichgültigkeit. Aber in Wahrheit ist es Vermeidung.
Theatralisches Leiden und Opferrolle – inszenierter Liebeskummer
Eine Woche später änderte sich das Bild. Plötzlich schrieb Kai Alia wieder – lange, emotionale Nachrichten darüber, wie sehr er leide. Wie leer sein Leben ohne sie sei. Wie niemand ihn so verstehe wie sie.
Er postete melancholische Songtexte. Erzählte gemeinsamen Freunden, Alia habe ihm das Herz gebrochen. Inszenierte sich als tragischer Held, der von der großen Liebe verlassen wurde.
Aber wenn Alia darauf einging, wenn sie versuchte, mit ihm zu reden, wurde er schnell kalt. Oder machte ihr Vorwürfe: „Du hast mich doch verlassen. Jetzt musst du damit leben.“
Diese Form des inszenierten Liebeskummers dient einem Zweck: Aufmerksamkeit zurückgewinnen, Mitleid erzeugen, Kontrolle wiederherstellen. Es geht nicht darum, die Beziehung wirklich zu reflektieren oder Verantwortung zu übernehmen. Es geht darum, wieder im Mittelpunkt zu stehen.
Wichtig zu verstehen: Dieses Leiden ist nicht zwingend komplett unecht. Der Narzisst fühlt tatsächlich etwas – aber er fühlt vor allem die Kränkung seines Egos, nicht den Verlust von dir als Person.
Narzisstische Wut, Rache, Stalking – wenn der Schmerz nach außen schlägt
Als Alia begann, sich konsequent abzugrenzen und nicht mehr auf Kais Nachrichten reagierte, kippte seine Stimmung komplett. Er wurde aggressiv. Schickte ihr wütende Textnachrichten, in denen er sie beschimpfte. Erzählte Freunden Lügen über sie. Tauchte plötzlich an Orten auf, wo er wusste, dass sie dort sein würde.
Diese Phase war die gefährlichste für Alia – emotional und manchmal auch real.
Wenn ein Narzisst die Kontrolle endgültig verliert, kann narzisstische Wut entstehen. Das ist keine gewöhnliche Wut – es ist ein unkontrollierbarer Impuls, die Person zu bestrafen, die ihn gekränkt hat. Racheaktionen, Rufmordkampagnen, Stalking-Verhalten – all das kann Teil dieser Reaktion sein.
Psychologisch betrachtet agiert der Narzisst hier aus einer tiefen Verletzung seines Selbstwertgefühls heraus. Aber das rechtfertigt nichts. Wenn du dich in einer solchen Situation befindest, ist es essenziell, deine Sicherheit zu priorisieren und professionelle Unterstützung zu suchen.
Diffuses Unwohlsein und Leere – wenn Gefühle nicht benennbar sind
In einem seltenen Moment der Ehrlichkeit hatte Kai einmal zu Alia gesagt: „Ich weiß auch nicht, was mit mir los ist. Ich fühle mich einfach nur… leer.“
Das war vielleicht das Echteste, was er je gesagt hatte.
Viele Narzissten erleben nach einer Trennung ein diffuses Unwohlsein, das sie nicht greifen können. Sie fühlen sich unruhig, gereizt, irgendwie „falsch“ – aber sie können es nicht als Trauer, Scham oder Verlust benennen. Stattdessen wird dieses Gefühl externalisiert: „Sie hat mich verletzt.“ „Die Welt ist ungerecht.“ „Niemand versteht mich.“
Diese emotionale Taubheit – die Unfähigkeit, Gefühle zu erkennen und zu benennen – ist ein zentrales Merkmal vieler narzisstischer Persönlichkeiten. Und sie macht es fast unmöglich, echten Liebeskummer im klassischen Sinne zu erleben.
Unterschiedliche Narzissmus-Typen und ihr Liebeskummer
Nicht jeder Narzisst ist gleich. Die Art, wie ein Mensch mit narzisstischen Zügen eine Trennung verarbeitet, hängt stark davon ab, welche Form von Narzissmus vorliegt. Während manche mit eiskalter Gleichgültigkeit reagieren, zerfallen andere in Selbstmitleid oder brennen vor Rachsucht. Um zu verstehen, was dein Ex-Partner tatsächlich erlebt, lohnt es sich, diese Unterschiede zu kennen.
Grandioser Narzisst: Verlust von Bewunderung und Macht
Kai zeigte viele Züge eines grandiosen Narzissten: selbstbewusst, dominant, charmant nach außen – aber unfähig, Kritik zu ertragen oder Schwäche zu zeigen. Nach der Trennung tat er alles, um zu beweisen, dass er Alia nicht brauchte. Neue Kontakte, Erfolgs-Postings, öffentliche Darstellungen seines vermeintlich perfekten Lebens.
Grandiose Narzissten erleben eine Trennung vor allem als Machtverlust. Sie trauern nicht um die Beziehung – sie trauern um die Bewunderung, die Kontrolle und das Gefühl der Überlegenheit, das du ihnen gegeben hast.
Ihr „Liebeskummer“ äußert sich oft so:
- Schneller Ersatz durch eine neue Partnerin (um sich selbst zu beweisen, dass sie begehrenswert sind)
- Abwertung der Ex-Partnerin („Sie war sowieso nicht gut genug für mich“)
- Demonstration von Stärke und Erfolg in sozialen Medien
Innerlich können sie durchaus eine Kränkung spüren – aber sie würden eher sterben, als das zuzugeben.
Vulnerabler / verdeckter Narzisst: Selbstmitleid, Scham und innere Leere
Anders als Kai gibt es auch Narzissten, die nach außen unsicher, selbstkritisch oder bedürftig wirken. Diese vulnerablen oder verdeckten Narzissten haben dieselbe fragile Selbststruktur wie grandiose Narzissten – aber sie verstecken sie hinter einer Fassade von Bescheidenheit und Verletzlichkeit.
Nach einer Trennung fallen sie oft in tiefe Selbstmitleid-Spiralen. Sie inszenieren sich als Opfer, suchen exzessiv nach Bestätigung und interpretieren die Trennung als weiteren Beweis dafür, dass „niemand sie wirklich versteht“.
Ihr „Liebeskummer“ zeigt sich durch:
- Endlose Grübel-Schleifen über das Scheitern der Beziehung (aber ohne echte Selbstreflexion)
- Manipulation durch Mitleid („Ich bin so verletzt, ich kann nicht mehr“)
- Passiv-aggressive Vorwürfe und Schuldzuweisungen
Aus meiner Arbeit als Psychologin weiß ich: Diese Form ist besonders schwer zu durchschauen, weil sie sich so nah an echtem Schmerz anfühlt. Aber auch hier geht es letztlich nicht um den Verlust von dir als Person – sondern um die eigene narzisstische Kränkung und die damit verbundene Scham.
Maligner Narzissmus: Wenn Rache wichtiger ist als Trauer
Die gefährlichste Form ist der maligne Narzissmus – eine Kombination aus narzisstischen, antisozialen und sadistischen Zügen. Wenn ein maligner Narzisst verlassen wird, dominiert nicht Trauer, sondern Rachsucht.
Alia hatte Glück, dass Kai nicht vollständig in diese Kategorie fiel. Aber ich habe in meiner Praxis Frauen begleitet, deren Ex-Partner genau das waren: Menschen, die nach der Trennung alles daran setzten, die ehemalige Partnerin zu zerstören – rufschädigend, finanziell, emotional.
Bei malignem Narzissmus gibt es keinen Liebeskummer im klassischen Sinn – nur:
- Wut und Vergeltungsdrang
- Gezielte Sabotage und Manipulation
- Emotionale oder rechtliche Kriegsführung
Wenn du mit einem solchen Menschen zu tun hast, ist professionelle Hilfe und ein klarer Schutzplan unerlässlich.
Warum diese Frage dich festhält (und wie du wieder frei wirst)
Alia fragte sich monatelang, ob Kai sie vermisste. Ob er nachts auch, wie sie wach lag. Ob er bereute, was zwischen ihnen passiert war. Sie scrollte durch seine Social-Media-Profile, analysierte jeden Post, jede Story, jede neue Bekanntschaft.
„Ich weiß, dass es mir nicht guttut“, sagte sie in unserem ersten Gespräch. „Aber ich kann einfach nicht aufhören. Ich muss wissen, wie es ihm geht.“
Wenn du dich in Alias Worten wiedererkennst, dann bist du nicht schwach. Und du bist nicht verrückt. Du bist in einer psychologischen Falle gefangen, die viele Betroffene nach narzisstischen Beziehungen erleben.
Trauma-Bonding und kognitive Dissonanz – warum du noch hoffst
Die Bindung, die du zu deinem narzisstischen Ex-Partner aufgebaut hast, ist keine normale Bindung. Es ist ein Trauma-Bond – eine tiefe emotionale Abhängigkeit, die durch den Wechsel von Idealisierung und Abwertung, Nähe und Distanz, Liebe und Grausamkeit entstanden ist.
Dein Gehirn hat in dieser Beziehung gelernt: Wenn ich mich genug anstrenge, wenn ich es richtig mache, kommt die Liebe zurück. Jedes Mal, wenn nach einem Streit eine Phase der Versöhnung kam, wurde dieses Muster verstärkt. Wie ein Glücksspiel, bei dem der Gewinn unvorhersehbar ist – aber eben manchmal kommt.
Und jetzt, nach der Trennung, sucht dein Gehirn immer noch nach diesem „Gewinn“. Es will die Bestätigung, dass es sich gelohnt hat. Dass er dich doch geliebt hat. Dass es nicht alles umsonst war.
Gleichzeitig erlebst du kognitive Dissonanz – den Widerspruch zwischen zwei unvereinbaren Überzeugungen:
- „Er hat mich geliebt, er war doch manchmal so liebevoll.“
- „Er hat mich manipuliert, verletzt, klein gemacht.“
Um diesen Widerspruch aufzulösen, sucht dein Verstand nach Erklärungen: Vielleicht leidet er jetzt. Vielleicht bereut er es. Vielleicht war es doch echte Liebe – nur kompliziert.
Aber die Wahrheit ist: Diese Erklärungen schützen nur sein Bild. Nicht dich.
Der Wunsch nach nachträglicher Bestätigung und Wiedergutmachung
Wenn Alia ehrlich zu sich selbst war, wusste sie: Sie wollte nicht nur wissen, ob Kai litt. Sie wollte, dass er litt. Sie wollte, dass er bereute. Sie wollte, dass er erkannte, was er verloren hatte – und sich bei ihr entschuldigte.
Das ist ein zutiefst menschlicher Wunsch. Du möchtest nachträglich Gerechtigkeit erfahren. Du möchtest, dass dein Schmerz anerkannt wird. Dass das, was dir angetan wurde, Konsequenzen hat.
Aber hier ist die schwere Wahrheit: Diese Bestätigung wird nicht kommen. Nicht von ihm.
Ein Narzisst kann nicht die Verantwortung übernehmen, die du dir wünschst. Selbst wenn er leidet – und er mag auf seine Weise leiden – wird er nicht die Einsicht haben, die du brauchst. Er wird sich nicht hinsetzen und sagen: „Ich habe Fehler gemacht. Du hast Besseres verdient. Es tut mir leid.“
Wenn du auf diese Wiedergutmachung wartest, gibst du ihm immer noch Macht über deine Heilung.
Wie du aufhören kannst, seinen inneren Zustand zu interpretieren
Der erste Schritt in die Freiheit ist radikal: Es ist nicht mehr deine Aufgabe, ihn zu verstehen.
Du hast jahrelang versucht, ihn zu entschlüsseln. Seine Stimmungen zu deuten. Seine Reaktionen vorherzusagen. Dich an ihn anzupassen.
Jetzt darfst du damit aufhören.
Es spielt keine Rolle, ob er Liebeskummer hat oder nicht. Es spielt keine Rolle, ob er dich vermisst, ob er bereut, ob er nachts wach liegt. Nichts davon ändert das, was war. Und nichts davon heilt dich.
Was dich heilt, ist der Fokus auf dich selbst. Auf deine Gefühle. Auf deine Heilung. Auf dein Leben nach ihm.
Praktische Übung: Jedes Mal, wenn du dabei ertappst, wie du über seine Gefühle nachdenkst, halte inne und stelle dir diese Frage:
„Was fühle ich gerade? Und was brauche ich – für mich?“
Lenke die Energie zurück zu dir. Zu deinem Schmerz, deinen Bedürfnissen, deinem Weg.
Du leidest unter starken Liebeskummer?
Was dir jetzt wirklich hilft – statt auf seinen Liebeskummer zu schauen
Alia brauchte Monate, um zu begreifen, dass die Frage nach Kais Gefühlen sie gefangen hielt. Erst als sie anfing, sich konsequent um sich selbst zu kümmern – emotional, mental, körperlich – begann sich etwas zu verändern.
Es war kein linearer Prozess. Es gab Rückfälle, Momente der Verzweiflung, Tage, an denen sie wieder auf seine Profile schaute. Aber mit jedem kleinen Schritt zurück zu sich selbst wurde die Frage nach seinem Liebeskummer unwichtiger.
Wenn du bis hierhin gelesen hast, dann spürst du wahrscheinlich: Das alles macht Sinn. Aber gleichzeitig fühlt es sich überwältigend an.
Ich verstehe das. Heilung nach einer narzisstischen Beziehung ist kein gerader Weg. Es ist ein Prozess mit Höhen und Tiefen, Fortschritten und Rückschlägen. Und manchmal brauchst du jemanden an deiner Seite, der genau versteht, wo du stehst – und der dir zeigt, wie du Schritt für Schritt wieder zu dir selbst findest.
Genau dafür bin ich da.
In meiner 1:1-Begleitung arbeite ich mit Frauen wie dir, die nach toxischen Beziehungen wieder zu sich selbst zurückfinden wollen. Ich verbinde psychologisches Wissen mit körperorientierten Methoden wie EFT und Breathwork – weil ich weiß, dass Trauma nicht nur im Kopf, sondern vor allem im Körper sitzt.
Ich helfe dir:
- Den Kontakt endgültig zu beenden und mental loszulassen
- Deine Trauma-Bonding-Muster zu verstehen und aufzulösen
- Deinen Selbstwert wieder aufzubauen – unabhängig von Bestätigung von außen
- Gesunde Beziehungsstandards zu entwickeln, damit du nie wieder in dieselbe Falle tappst
Wenn du spürst, dass du Unterstützung brauchst, dass du endlich vorankommen willst – dann lade ich dich zu einem kostenlosen 20-minütigen Erstgespräch ein.
In diesem Gespräch schauen wir gemeinsam:
- Wo du gerade stehst
- Was dich blockiert
- Wie ich dich unterstützen kann
Es ist unverbindlich, telefonisch und vor allem: Ein erster Schritt zurück zu dir.
Du hast genug Zeit damit verbracht, über seine Gefühle nachzudenken. Jetzt ist es Zeit für deine.
Haben Narzissten Liebeskummer?
Ja, Narzissten können Liebeskummer haben, aber dieser dreht sich meist weniger um den Verlust der geliebten Person als um verletzten Selbstwert, verlorene Bewunderung und narzisstische Kränkung. Ihr Schmerz zeigt sich häufig als Wut, Drama, Kontrollversuche oder scheinbare Gefühllosigkeit, weil sie ihre Emotionen stark abspalten oder instrumentalisieren.
Warum können Narzissten nicht loslassen?
Narzissten können schwer loslassen, weil ihr Selbstwert stark von äußerer Bestätigung („narzisstische Zufuhr“) abhängt und der Partner eine zentrale Quelle dafür ist. Zusätzlich verstärken Kontrollbedürfnis, Verlustangst und die Angst vor Kränkung den inneren Druck, die andere Person weiter zu binden – selbst nach einer Trennung.
Können Narzissten lieben lernen?
Grundsätzlich können Menschen mit narzisstischen Anteilen durch langfristige, ehrliche Therapie mehr Empathie, Beziehungsfähigkeit und Verantwortungsübernahme entwickeln, was liebeähnlichere Beziehungen ermöglicht. Bei ausgeprägter narzisstischer Persönlichkeitsstörung ist echte, reife Liebe jedoch selten, weil sie Einsicht, Verletzlichkeit und Selbstreflexion erfordert – Fähigkeiten, die viele Betroffene nur begrenzt zulassen.