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Eine junge Frau die weinen auf ihr Handy schaut, Symbolbild für Cybermobbing

Cybermobbing bezeichnet das wiederholte Schikanieren, Bedrohen, Bloßstellen oder gezielte Verletzen einer Person mithilfe digitaler Medien. Es kann über soziale Netzwerke, Messenger, E-Mails, Onlineforen oder andere digitale Plattformen stattfinden. Beleidigende Nachrichten, verbreitete Gerüchte, manipulierte Bilder oder die Veröffentlichung privater Informationen sind mögliche Formen. Anders als bei einem Konflikt, der irgendwann endet, können digitale Angriffe jederzeit wieder auftauchen und ein großes Publikum erreichen.

Woher stammt der Begriff Cybermobbing?

Der Begriff Cybermobbing verbindet das Präfix Cyber-, das sich auf Computer, digitale Kommunikation und das Internet bezieht, mit dem Wort Mobbing. Gemeint ist damit Mobbing, das über digitale Kanäle stattfindet – beispielsweise in sozialen Netzwerken, Chats oder Onlineforen. 

Einen eindeutig belegten Erfinder gibt es nicht. In der Forschung wird der Begriff häufig mit dem kanadischen Pädagogen Bill Belsey verbunden, der Anfang der 2000er-Jahre eine Website zum Thema aufbaute und sich für die Aufklärung über Cybermobbing einsetzte.

Allerdings ist der Begriff bereits früher dokumentiert: Die Psychologin Sheri Bauman verweist auf eine Verwendung in einem Artikel der New York Times aus dem Jahr 1995. Belsey gilt deshalb eher als einer der frühen Wegbereiter der öffentlichen Auseinandersetzung mit dem Phänomen denn als zweifelsfrei nachgewiesener Erfinder des Wortes.

Mit der Verbreitung von Mobiltelefonen, sozialen Netzwerken und Messenger-Diensten wurde Cybermobbing zunehmend zu einem Gegenstand wissenschaftlicher Forschung. Eine allgemeingültige Definition hat sich bis heute nicht vollständig durchgesetzt. Häufig stehen jedoch die gezielte Schädigung durch digitale Kommunikation und die Wiederholung der Angriffe im Mittelpunkt.

Was macht Cybermobbing aus?

In der Forschung werden drei typische Merkmale von Mobbing herangezogen: Schädigungsabsicht, Wiederholung und ein Machtungleichgewicht. Cybermobbing liegt demnach vor, wenn jemand über digitale Medien gezielt und wiederholt angegriffen wird und sich nur schwer dagegen wehren kann. Ein solches Ungleichgewicht kann etwa durch anonyme Angriffe, eine Gruppe von Angreifenden oder die unkontrollierte Verbreitung verletzender Inhalte entstehen. 

Davon abzugrenzen ist digitale Belästigung, die auch eine einzelne unerwünschte oder beleidigende Nachricht umfassen kann. Von Cyberstalking spricht man insbesondere bei wiederholtem digitalem Verfolgen, Überwachen oder Bedrohen. Die Grenzen zwischen den Begriffen sind nicht immer eindeutig. Auch wenn ein Vorfall nicht alle Kriterien von Cybermobbing erfüllt, kann er die betroffene Person stark belasten und unter Umständen strafbar sein.

Welche Folgen hat Cybermobbing für Betroffene?

Digitale Angriffe können weit über den Moment hinaus belasten, in dem eine verletzende Nachricht eintrifft. Inhalte lassen sich kopieren, weiterleiten und erneut veröffentlichen. Betroffene wissen möglicherweise nicht, wer die Inhalte gesehen hat oder wann sie wieder auftauchen. Dadurch kann das Gefühl entstehen, der Situation kaum entkommen zu können.

Forschungsergebnisse zeigen Zusammenhänge zwischen erlebtem Cybermobbing und psychischen Belastungen wie Angst, depressiven Symptomen, Stress und Einsamkeit. Auch das Selbstwertgefühl und die allgemeine Lebenszufriedenheit können beeinträchtigt sein. Manche Betroffene ziehen sich aus sozialen Kontakten zurück, schlafen schlechter oder beschäftigen sich ständig damit, was andere über sie verbreiten könnten.

Besonders belastend kann sein, dass sich die Angriffe auf Bereiche ausweiten, die zuvor als sicher galten: das eigene Zuhause, private Nachrichten oder der Kontakt zu Freunden. Selbst wenn das Smartphone ausgeschaltet ist, können die Gedanken an mögliche neue Angriffe weiterwirken.

Die Folgen unterscheiden sich von Mensch zu Mensch. Nicht jeder Angriff führt zu denselben Belastungen, und die Verantwortung liegt bei denjenigen, die andere gezielt schikanieren – nicht bei den Betroffenen.

Cybermobbing in toxischen Beziehungen

Cybermobbing kann auch Teil einer toxischen Beziehung sein. Dabei geht es nicht nur um Partnerschaften: Auch Familienmitglieder, ehemalige Freunde oder Kollegen können digitale Kanäle nutzen, um jemanden gezielt unter Druck zu setzen, bloßzustellen oder einzuschüchtern. Private Nachrichten werden weitergeleitet, Gerüchte in Gruppen verbreitet oder persönliche Informationen veröffentlicht, um den Ruf eines Menschen zu beschädigen. Manchmal werden Betroffene auch mit einer Flut beleidigender Nachrichten konfrontiert oder online gezielt aus Gruppen ausgeschlossen.

Wie verstörend solche Angriffe sein können, zeigt der Fall von Kendra Licari aus Michigan. Sie schickte ihrer eigenen Tochter und deren damaligem Freund über längere Zeit anonym beleidigende Nachrichten. Die Jugendlichen wussten zunächst nicht, wer dahintersteckte. Erst die Ermittlungen führten zu Licari, die sich 2023 schuldig bekannte, Minderjährige gestalkt zu haben. Der Fall wurde später in der Netflix-Dokumentation Unknown Number: The High School Catfish aufgegriffen. Er zeigt, dass Cybermobbing auch von Menschen ausgehen kann, denen man eigentlich vertraut.

In toxischen Beziehungen können solche Angriffe eine bereits bestehende Dynamik aus Kontrolle, Abwertung und Einschüchterung verstärken. Wer ständig damit rechnen muss, dass private Inhalte verbreitet oder neue Beleidigungen veröffentlicht werden, fühlt sich womöglich auch dann nicht sicher, wenn die angreifende Person gerade nicht in der Nähe ist. Das Smartphone wird zum möglichen Ausgangspunkt des nächsten Angriffs. Betroffene kontrollieren ständig ihre Nachrichten, meiden soziale Netzwerke oder ziehen sich aus Angst vor weiteren Demütigungen aus ihrem Umfeld zurück.

Nicht jede verletzende Nachricht ist automatisch Cybermobbing. Wenn digitale Angriffe gezielt dazu dienen, jemanden wiederholt zu erniedrigen, unter Druck zu setzen oder auszugrenzen, können sie jedoch Teil eines größeren Musters von Schikane und Kontrolle sein. Je nach Situation sprechen Fachleute auch von Cyberstalking oder digitaler Belästigung. Entscheidend ist, das Verhalten nicht als harmlosen Streit im Internet abzutun, wenn es dazu eingesetzt wird, einen anderen Menschen einzuschüchtern oder dessen Handlungsspielraum einzuschränken.

Wenn du wieder mehr Raum für dich gewinnen möchtest

Nach einer Beziehung, in der du dich wiederholt rechtfertigen, verteidigen oder gegen Angriffe wappnen musstest, kann es schwierig sein, innerlich zur Ruhe zu kommen. Auch wenn der Kontakt längst beendet ist, können Anspannung und Alarmbereitschaft noch anhalten.

In meinem kostenlosen Newsletter „Vom Kopf in den Körper“ geht es darum, die Verbindung zwischen psychischen Erfahrungen und körperlichen Reaktionen besser zu verstehen. Mit wöchentlichen psychologischen Impulsen und somatischen Übungen unterstütze ich Frauen in und nach toxischen Beziehungen dabei, sich mit den Folgen solcher Erfahrungen auseinanderzusetzen und neue Wege im Umgang mit den eigenen Reaktionen zu entdecken.

Cybermobbing kann tiefe Spuren hinterlassen. Selbst wenn die Angriffe längst aufgehört haben, können Scham, Selbstzweifel und die Angst vor erneuten Verletzungen noch lange nachwirken. Vielleicht weißt du verstandesmäßig, dass die Beleidigungen nichts über deinen Wert aussagen, fühlst dich aber trotzdem verletzt und verunsichert. In meinem Buch "Lieber aus guten Gründen alleine als aus falschen Gründen zusammen" beschäftige ich mich damit, warum belastende Erfahrungen uns emotional so lange begleiten können und weshalb es nicht immer reicht, etwas rational verstanden zu haben, um es auch innerlich loszulassen.

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