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Ein Mann erklärt einer Frau etwas, Symbolbild für Mansplaining

Mansplaining bezeichnet eine Form der herablassenden Kommunikation, bei der ein Mann einer Frau etwas erklärt, als wüsste sie deutlich weniger als er – selbst dann, wenn sie sich mit dem Thema bestens auskennt oder sogar mehr Erfahrung hat als er. Dabei geht es nicht einfach darum, jemandem etwas zu erklären. Entscheidend ist die belehrende Haltung dahinter: Der Mann nimmt an, es besser zu wissen, hört der Frau nicht richtig zu oder stellt ihre Kompetenz infrage, ohne dafür einen guten Grund zu haben.

Der Begriff setzt sich aus den englischen Wörtern man (Mann) und explaining (Erklären) zusammen. Eine passende deutsche Übersetzung gibt es nicht, die sich im Alltag durchgesetzt hätte. Deshalb wird auch hierzulande meist der englische Begriff verwendet.

Ein typisches Beispiel: Eine Frau erzählt bei einem Treffen, dass sie sich beruflich seit vielen Jahren mit einem bestimmten Thema beschäftigt. Ein Mann, der davon kaum Ahnung hat, unterbricht sie und erklärt ihr ausführlich die Grundlagen. Selbst als sie versucht, ihre Erfahrung einzubringen, redet er weiter, korrigiert sie oder erklärt ihr, wie sie die Dinge eigentlich verstehen sollte.

Das Problem ist also nicht, dass jemand Wissen teilt oder eine andere Meinung hat. Es geht darum, dass eine Person die andere nicht als gleichwertigen Gesprächspartner behandelt. Ihre Kenntnisse werden übergangen, ihre Aussagen nicht ernst genommen und ihre Kompetenz wird unterschätzt.

Woher kommt der Begriff Mansplaining?

Bekannt wurde das Phänomen vor allem durch einen Essay der amerikanischen Autorin Rebecca Solnit aus dem Jahr 2008. In ihrem Text Men Explain Things to Me schilderte sie eine Begegnung auf einer Feier: Ein Mann begann, ihr ein wichtiges Buch über den Fotografen Eadweard Muybridge zu empfehlen und darüber zu sprechen, ohne zu bemerken, dass sie selbst genau dieses Buch geschrieben hatte. Obwohl ihre Begleiterin ihn mehrfach darauf hinwies, schien er zunächst nicht zu verstehen, mit wem er sprach.

Solnit beschrieb damit eine Erfahrung, die viele Frauen kennen: Männer erklären ihnen Dinge, ohne zu wissen, wie viel die Frauen selbst darüber wissen. Ihr Essay trug dazu bei, dieses Verhalten öffentlich zu diskutieren und ihm einen Namen zu geben.

Das Wort Mansplaining selbst verwendete Solnit in ihrem Essay allerdings nicht. Es tauchte kurz darauf in Internetdiskussionen auf und verbreitete sich zunehmend in feministischen Blogs und später in den Medien. Solnit hat sich auch von der Vorstellung distanziert, sie selbst habe den Begriff erfunden.

Warum war es so hilfreich, für dieses Verhalten einen eigenen Begriff zu haben? Weil sich Erfahrungen leichter einordnen und besprechen lassen, wenn sie benannt werden können. Frauen mussten nicht länger nur beschreiben, dass sie sich in einem Gespräch übergangen oder nicht ernst genommen fühlten. Sie konnten auf ein bekanntes Muster hinweisen.

Woran lässt sich Mansplaining erkennen?

Mansplaining kann sich auf unterschiedliche Weise zeigen. Manchmal erklärt ein Mann einer Frau ungefragt etwas, obwohl sie sich mit dem Thema besser auskennt. In anderen Situationen unterbricht er sie wiederholt, korrigiert nebensächliche Details oder stellt ihre Aussagen infrage, während er vergleichbare Aussagen von Männern ohne Weiteres akzeptiert.

Auch die Art, wie etwas erklärt wird, spielt eine Rolle. Eine sachliche Erklärung berücksichtigt, was das Gegenüber bereits weiß, und lässt Raum für Rückfragen oder Widerspruch. Beim Mansplaining entsteht dagegen häufig eine einseitige Situation: Der Mann erklärt, die Frau soll zuhören. Ihre eigenen Erfahrungen oder Argumente werden kaum berücksichtigt.

Allerdings ist nicht jede ungebetene Erklärung automatisch Mansplaining. Menschen können sich überschätzen, schlecht zuhören oder schlicht nicht bemerken, dass jemand bereits Bescheid weiß. Auch Frauen können sich anderen gegenüber herablassend verhalten. Der Begriff beschreibt ein bestimmtes, geschlechtlich geprägtes Kommunikationsmuster und sollte nicht als pauschaler Vorwurf gegen Männer verwendet werden.

Entscheidend ist deshalb immer der Zusammenhang: Wird die Frau wiederholt unterschätzt, obwohl sie ihre Kenntnisse deutlich gemacht hat? Werden ihre Einwände abgetan? Wird ihr weniger Kompetenz zugestanden als einem Mann in einer vergleichbaren Situation? Solche wiederkehrenden Verhaltensweisen sind aussagekräftiger als eine einzelne ungeschickte Bemerkung.

Mansplaining in toxischen Beziehungen

In einer toxischen Beziehung kann Mansplaining Teil eines größeren Musters von Abwertung sein. Der Partner erklärt seiner Partnerin beispielsweise ungefragt Dinge, obwohl sie sich damit gut auskennt, unterbricht sie oder tut ihre Einwände ab, als hätte sie das Thema nicht verstanden. Auf diese Weise kann der Eindruck entstehen, dass ihre Kenntnisse und ihre Meinung weniger zählen als seine.

Vielleicht berichtet eine Frau von einem Konflikt mit einer Freundin. Statt ihr zuzuhören, erklärt ihr Partner, warum sie die Situation falsch eingeschätzt hat. Spricht sie über ihre Gefühle, belehrt er sie darüber, warum sie keinen Grund hat, so zu reagieren. Äußert sie eine eigene Meinung, stellt er ihre Kenntnisse infrage oder erklärt ihr ausführlich, was sie angeblich nicht verstanden hat.

Besonders problematisch wird es, wenn solche Gespräche immer nach demselben Muster ablaufen: Der Partner beansprucht für sich, die Situation besser beurteilen zu können, während die Wahrnehmung seiner Partnerin zunehmend an Bedeutung verliert. Widerspricht sie ihm, wird sie vielleicht als unwissend, überempfindlich oder irrational dargestellt.

Dabei ist es wichtig, Mansplaining nicht mit jeder Meinungsverschiedenheit oder jeder sachlichen Korrektur gleichzusetzen. Auch in einer gesunden Beziehung dürfen Partner unterschiedliche Ansichten haben und einander auf Fehler hinweisen. Der Unterschied liegt darin, ob beide die Perspektive des anderen ernst nehmen und sich auf Augenhöhe begegnen – oder ob einer regelmäßig über den anderen bestimmt.

Mansplaining ist außerdem nicht automatisch ein Beweis für Narzissmus oder eine toxische Beziehung. Es kann jedoch eine Form der Abwertung sein, die in einer bereits kontrollierenden oder emotional missbräuchlichen Partnerschaft dazu beiträgt, das Machtgefälle aufrechtzuerhalten.

Welche Folgen kann Mansplaining für Betroffene haben?

Wer wiederholt erlebt, dass die eigene Kompetenz infrage gestellt und die eigene Sichtweise abgewertet wird, kann mit der Zeit an sich selbst zweifeln. Vielleicht überlegt eine Frau zunehmend, ob sie ihre Meinung überhaupt äußern sollte, ob sie ein Thema wirklich verstanden hat oder ob sie tatsächlich zu empfindlich reagiert.

In einer Partnerschaft kann das besonders belastend sein, weil es nicht bei einzelnen Gesprächen bleibt. Wenn die Person, von der sie sich Nähe, Verständnis und Unterstützung wünscht, ihre Wahrnehmung regelmäßig korrigiert oder abwertet, kann sie sich zunehmend unverstanden und unsicher fühlen.

Manche Betroffene beginnen, ihre Aussagen ausführlicher zu begründen, sich ständig zu rechtfertigen oder Gespräche zu vermeiden, um Konflikte zu verhindern. Andere halten an ihrer Sichtweise fest, müssen dafür aber immer wieder um Anerkennung kämpfen. Beides kann auf Dauer anstrengend sein und das Gefühl beeinträchtigen, in der Beziehung mit den eigenen Gedanken und Bedürfnissen willkommen zu sein.

Forschung zu herablassender Kommunikation und ungefragten, belehrenden Ratschlägen zeigt, dass solche Gesprächsmuster dazu führen können, dass Frauen sich weniger respektiert und weniger selbstbestimmt fühlen. Dabei ist nicht allein das Geschlecht der erklärenden Person entscheidend, sondern auch, ob sie auf das Gegenüber eingeht oder ungefragt und pauschal vorgibt, was richtig sei.

Wer solche Erfahrungen über längere Zeit macht, sollte sie deshalb nicht einfach als belanglose Kommunikationsprobleme abtun. Es lohnt sich, darauf zu achten, ob gegenseitiger Respekt vorhanden ist und ob die eigene Perspektive in der Beziehung tatsächlich Platz hat.

Was hilft, wenn der Partner ständig belehrt?

Ein erster Schritt kann sein, das Verhalten konkret zu benennen. Statt darüber zu diskutieren, ob der Partner grundsätzlich recht hat, kann eine Frau beispielsweise sagen, dass sie ihre Erfahrung bereits erklärt hat und möchte, dass er ihr zuhört, ohne sie sofort zu korrigieren.

Entscheidend ist dabei nicht, die perfekte Formulierung zu finden, mit der sich der andere endlich überzeugen lässt. Vielmehr zeigt sich an seiner Reaktion, ob er bereit ist, das eigene Verhalten zu reflektieren. Kann er zuhören, nachfragen und Verantwortung übernehmen? Oder macht er sich über die Rückmeldung lustig, dreht den Vorwurf um und erklärt erneut, warum seine Partnerin das Problem sei?

Wenn Belehrungen Teil eines umfassenderen Musters aus Abwertung, Kontrolle und Schuldzuweisungen sind, reicht bessere Kommunikation nicht aus. Dann geht es nicht nur darum, Missverständnisse zu klären, sondern auch darum, die eigenen Grenzen ernst zu nehmen und die Beziehung als Ganzes zu betrachten.

Niemand muss erst beweisen, dass der Partner eine bestimmte Persönlichkeitsstörung hat, um sich mit dem eigenen Erleben auseinanderzusetzen. Die Frage, ob eine Beziehung guttut, lässt sich auch daran erkennen, ob beide Menschen ihre Gedanken äußern dürfen, ohne regelmäßig herabgesetzt oder entmündigt zu werden.

Vom Kopf in den Körper: Wie du wieder bei dir selbst ankommst

Wenn die eigene Wahrnehmung in einer Beziehung immer wieder infrage gestellt wurde, kann es eine Weile dauern, bis das Vertrauen in die eigenen Gedanken und Gefühle zurückkehrt. Vielleicht ist dir inzwischen klar, dass bestimmte Verhaltensweisen nicht in Ordnung waren, und trotzdem fällt es noch schwer, den eigenen Einschätzungen zu vertrauen oder in schwierigen Momenten innerlich ruhig zu bleiben.

Dabei kann es helfen, nicht nur die vergangenen Erfahrungen gedanklich aufzuarbeiten, sondern auch wieder wahrzunehmen, was im eigenen Körper geschieht und was gerade gebraucht wird.

Wenn du dich auf diesem Weg unterstützen möchtest, lade ich dich zu meinem kostenlosen Newsletter „Vom Kopf in den Körper“ ein. Er richtet sich an Frauen in und nach toxischen Beziehungen. Jede Woche erhältst du psychologische Impulse und somatische Übungen, die dich dabei unterstützen, dich zu stabilisieren, deine eigenen Bedürfnisse wieder besser wahrzunehmen und Schritt für Schritt zu dir selbst zurückzufinden.

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